Warum mehr Geld auf dem Konto nicht mehr Kaufkraft bedeuten muss
Der Kontostand ist am Jahresende höher als am Anfang, die Zinsen wurden gutgeschrieben, und trotzdem reicht das Geld für weniger. Diesen Widerspruch löst die Realrendite auf: Sie stellt dem Nettozins die Inflationsrate gegenüber. Das Ergebnis ist oft ein kleines Minus, und das ist keine Panne, sondern Rechnen.
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Ein Zinssatz ist eine nominale Größe. Er sagt, wie viele Euro aus hundert Euro werden. Er sagt nicht, was diese Euro kaufen. Das tut erst die zweite Zahl, die Inflationsrate, und sie steht nirgends auf der Abrechnung der Bank.
Die einfache Rechnung
Die vereinfachte Realrendite ergibt sich aus Nettozins minus Inflationsrate. Nettozins heißt: nach Steuern. Bei 2,5 Prozent Nettozins und 2,9 Prozent Inflation liegt die Realrendite bei minus 0,4 Prozent. Die genauere Formel teilt statt zu subtrahieren, doch bei Werten um zwei bis drei Prozent ist der Unterschied gering; für die Einordnung genügt die Subtraktion.
Drei Fälle, Inflationsrate 2,9 Prozent (Destatis, August 2026, vorläufig)
Der dritte Fall entspricht 2,5 Prozent Bruttozins nach vollem Steuerabzug von 26,375 Prozent, also ohne verfügbaren Sparer-Pauschbetrag.
Was ein Minus bedeutet und was nicht
Eine negative Realrendite bedeutet nicht, dass Geld vom Konto verschwindet. Der Kontostand steigt nominal weiter. Es bedeutet, dass der Kontostand langsamer wächst als das Preisniveau. Was heute 10.000 Euro kostet, kostet bei 2,9 Prozent Inflation in einem Jahr rund 10.290 Euro. Wer aus 10.000 Euro Guthaben nach Steuern 10.250 Euro gemacht hat, kann sich dieselbe Sache nicht mehr leisten. Der Unterschied ist klein, aber er ist da, und er summiert sich über Jahre.
| Jahr | Kontostand nominal | Preis einer Sache, die heute 10.000 € kostet | Kaufkraft des Kontos in heutigen Euro |
|---|---|---|---|
| heute | 10.000 € | 10.000 € | 10.000 € |
| 1 | 10.250 € | 10.290 € | 9.961 € |
| 3 | 10.769 € | 10.895 € | 9.884 € |
| 5 | 11.314 € | 11.537 € | 9.807 € |
Rein illustrativ. Weder Zinsen noch Inflationsraten bleiben fünf Jahre konstant. Die Tabelle zeigt nur, wie sich ein kleiner jährlicher Abstand über Zeit aufbaut.
Warum die Steuer die Realrendite doppelt trifft
Kapitalertragsteuer wird auf den nominalen Zins erhoben, nicht auf den realen. Bei 2,5 Prozent Bruttozins und 2,9 Prozent Inflation ist der reale Ertrag schon vor Steuern negativ. Die Steuer von 26,375 Prozent auf die nominalen 2,5 Prozent macht das Ergebnis noch etwas schlechter: aus minus 0,4 Prozent werden rund minus 1,06 Prozent. Genau an dieser Stelle wird der Sparer-Pauschbetrag praktisch spürbar. Er sorgt dafür, dass innerhalb des Freibetrags der Nettozins gleich dem Bruttozins ist, und schont so die Realrendite um den Steuerabzug. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Beitrag So kann von den eigenen Zinsen mehr übrig bleiben.
Die Inflation frisst den Zins. Die Steuer nimmt sich vorher ihren Anteil vom Zins, nicht von der Inflation. Der Freibetrag verhindert das Zweite, nicht das Erste.
Welche Inflationsrate gilt eigentlich?
Das Statistische Bundesamt misst die Inflationsrate mit dem Verbraucherpreisindex, der die Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs abbildet. Für August 2026 meldet es vorläufig 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat; die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag bei 2,4 Prozent. Im Juli waren es 2,8 Prozent, im Juni 2,3 Prozent.[1]
Diese Zahl ist ein Durchschnitt über alle Haushalte. Wer viel für Lebensmittel und Energie ausgibt, hat eine persönliche Inflationsrate, die davon abweicht, nach oben oder unten. Der Beitrag Wie die Inflationsrate entsteht und warum sie sich anders anfühlt erklärt die Messung. Für die Realrendite des eigenen Sparguthabens ist die amtliche Rate trotzdem der sinnvollste Maßstab, weil sie die einzige ist, die sich objektiv nachschlagen lässt.
Was daraus folgt und was nicht
Aus einer negativen Realrendite folgt nicht, dass Bankeinlagen falsch sind. Ein Notgroschen und Geld mit bekanntem Verwendungstermin gehören auf ein sicheres, verfügbares Konto, auch wenn es real leicht an Wert verliert. Der Preis dafür ist Sicherheit, und Sicherheit hat einen Preis. Was aus der Rechnung folgt, ist etwas Bescheideneres:
- Den Zinssatz nicht isoliert betrachten, sondern immer neben Steuerabzug und Inflationsrate.
- Den Sparer-Pauschbetrag durch passende Freistellungsaufträge nutzen, weil er der einzige der drei Faktoren ist, den der Sparer selbst beeinflussen kann.
- Nur das Geld auf Tages- und Festgeld halten, das dort seinen Zweck hat, und für alles andere die eigene Situation prüfen oder beraten lassen.
Drei Zahlen, die zusammengehören
- Bruttozins: steht auf der Abrechnung der Bank.
- Nettozins: Bruttozins abzüglich Steuer auf den Teil oberhalb des Freibetrags.
- Realrendite: Nettozins abzüglich Inflationsrate.
Wer diese drei Zahlen für sein eigenes Konto einmal aufschreibt, versteht in fünf Minuten mehr über sein Ersparnis als aus jedem Zinsvergleich.
Einordnung
Die Realrendite ist keine Drohung, sondern ein Maßstab. Sie erklärt, warum sich ein wachsender Kontostand nicht nach mehr anfühlt, und sie zeigt, an welcher Stelle Sparer selbst etwas tun können: beim Steuerabzug. Am Zinssatz und an der Inflation können sie wenig ändern. Am Freistellungsauftrag können sie alles ändern.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 311 zur Inflationsrate im August 2026: vorläufig 2,9 Prozent, Kerninflation 2,4 Prozentdestatis.de, Pressemitteilung Nr. 311
- Statistisches Bundesamt (Destatis), Verbraucherpreisindex: Methodik und Warenkorbdestatis.de, Verbraucherpreisindex
- Deutsche Bundesbank, Erläuterungen zu Realzins und Kaufkraft von Spareinlagenbundesbank.de, Schule und Bildung
- Einkommensteuergesetz (EStG) § 32d, gesonderter Steuertarif für Kapitalerträgegesetze-im-internet.de/estg/__32d.html
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Verbraucherinformation. Er stellt keine Anlageberatung, Finanzberatung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Bankempfehlung oder Produktvermittlung dar und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Es wird kein Konto eröffnet, kein Produkt vermittelt und keine bestimmte Bank empfohlen.
Rechenbeispiele sind vereinfachte Modellrechnungen mit offengelegten Annahmen. Die tatsächliche steuerliche Behandlung kann insbesondere durch Kirchensteuer, weitere Kapitalerträge, Verluste, Veranlagungsoptionen und persönliche Umstände abweichen. Zinssätze können sich jederzeit ändern, Inflationsraten ändern sich monatlich. Es wird keine Rendite, keine Steuerersparnis und kein Kaufkrafterhalt zugesagt. EA Consulting OÜ ist keine Behörde und nicht mit dem Finanzamt, dem Bundesfinanzministerium, der Europäischen Zentralbank oder einer Bank verbunden.